Praxis für naturheilkundliche Medizin

schlechte Gene?!

Das Dogma der “schlechten Gene“ die unser Leben und unsere Beschwerden verursachen, steht vielmals noch im Raum „das haben alle in der Familie – da kann ich leider nichts machen!“ ist eine Aussage, die mir keineswegs selten zu Ohren kommt und damit für viele die Verantwortung geregelt ist. Doch im Licht neuer Erkenntnisse aus Psychoneuroimmunologie gibt es weitaus tragfähigere Ergebnisse:

Gene sind kein Urteil. Es ist nicht das Gen selbst, sondern die Umgebung – unser inneres und äußeres Milieu -, die oder das bestimmt, welche Gene aktiviert oder deaktiviert werden.

Hier kommt die so genannte Epigenetik ins Spiel. Das griechische „epi“ bedeutet „darüber daneben“ und genau das kennzeichnet dieses jüngere Forschungsfeld, dass eine Ebene untersucht, die über dem Erbgut liegt, und erforscht, wie Umweltfaktoren, Lebensstil, Emotionen und biochemischen Reize, die Genaktivität beeinflussen, ohne die eigentliche DNA-Sequenz zu verändern.

Stell dir deine Gene wie ein großes Klavier vor. Jede Taste steht für ein bestimmtes Gen, einen Bauplan in deinem Körper. Die Epigenetik ist der Pianist: er entscheidet, welche Tasten gespielt werden und welche stumm bleiben. Auch wenn das „Instrument“ bei allen Menschen ähnlich aufgebaut ist, erklingt bei jedem ein anderes Lied, je nachdem, wie das Klavier gespielt wird. Und dieser Pianist reagiert auf das Leben selbst: auf Ernährung, Bewegung, Stress, Umweltfaktoren, innere Überzeugungen und die Art, wie wir denken und fühlen. Die DNA wird nicht verändert. Aber es wird beeinflusst, welche Teile davon aktiv werden. In der Konsequenz bedeutet dies, dass unsere Lebensweise, unser Umfeld und unsere Emotionen maßgeblich mitbestimmen, welche Gene in Aktion treten und welche schweigen.

Die Epigenetik macht deutlich, dass Gene kein starres Schicksal sind, sondern auf ihre Umgebung reagieren. Psychische Faktoren, emotionale Erfahrungen und biochemische Reize wirken wesentlich auf die Steuerung unserer Gene ein. Dabei geht es nicht nur um das, was wir selbst erleben, sondern auch um das, was wir aus unserem familiären Umfeld mitbringen.

Transgenerationale Themen werden nicht ausschließlich „emotional weitergegeben“, sondern auch biochemisch. Belastungen, Stressphasen oder unverarbeitete Traumata der Eltern spiegeln sich in hormonellen Regelkreisen, im Nervensystem, im Immunsystem und im Stoffwechsel wieder. Und genau dieses Milieu prägt bereits vor und nach der Geburt die Entwicklung des Kindes. Während es in den ersten Lebensjahren – energetisch wie emotional – besonders eng an die Mutter gebunden ist, spielt der Vater eine ebenso zentrale Rolle. Zum einen durch seine genetische Information, zum anderen durch seine Präsenz, seine Regulation, seine Beziehung zu sich selbst, zur Mutter und die Qualität des familiären Feldes.

Die Gene liefern das Programm.

Die Epigenetik ist der Schalter.

Das familiäre und persönliche Milieu bestimmt, wie geschaltet wird.